Text von einer Kunsthistorikerin zu ausgewählten Bildern von Heidrun Pfeiffer

 

 EINFACH DAVONFLIEGEN (Bild rechts vom Eingang) Bestimmt kennt jeder von uns den Wunsch der Hektik, der Schwere und Ruhelosigkeit des Alltags mal entfliehen zu wollen. Genau das ist das Motiv dieses Gemäldes. Im unteren Drittel des Bildes sehen wir eine statisch organisierte Stadt mit eng aneinander gereihten Häusern, die Geschäftigkeit und Enge auf ihren Straßen vermuten lässt. Der obere Teil des Bildes wird hingegen von einer leichten, milchig nebligen Luft dominiert, in die eine junge Frau auf Luftballons aufsteigt. Die Figur der Frau hat dabei in ihrer Form- und Farbgebung eine sehr haptische Präsenz, sodass man als Betrachter meint, sich an ihr festhalten und eben einfach davonfliegen zu können.

 


HAUS AM SEE Vielleicht kennen Sie das gleichnamige Lied von Peter Fox. Es ist ein Lieblingslied der Künstlerin und handelt von einem Mann, der es geschafft hat an seinem Lebensabend eine tiefe Zufriedenheit und Ausgeglichenheit zu finden. Ohne Reue und Zweifel an der Vergangenheit. Dieses Werk vermittelt eine Art reflektierten Positivismus, eine sorgenfreie Bejahung der Gegenwart. Verstärkt wird diese Wirkung durch die intensive, sehr offene Farbgebung, die eine mystische Stimmung erzeugt, ohne dabei jedoch bedrohlich zu wirken. Sie ähnelt eher einer unbeschwerten Erinnerung aus der Kindheit, in der die Realität sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern die Atmosphäre eines Momentes dominiert.   


IN DER WIESE TRÄUMEND Das ist ein Gemälde, an dem sich deutlich erkennen lässt, wie es Heidrun Pfeiffer gelingt durch ihre Form- und Farbsprache ein Gefühl für die Atmosphäre eines Motivs zu vermitteln. Wir sehen eine junge Frau in leichten, transparenten Kleidern, die entspannt und selbstvergessen alleine auf einer Sommerwiese liegt. Ihre Jugend wird dabei von der satten Farbgebung der Äpfel und Wiese unterstrichen. Die Hitze und duftende Schwüle der sommerlichen Luft ist dabei für den Rezipienten fast greifbar.

 
MANN IM WALD Im Kontrast zu der jungen Frau steht hier ein männlicher Halbakt im Wald. Die Farben sind kühler und gedeckter, die Formen härter. Das Licht und die Luft erscheinen in diesem Werk nicht sommerlich sondern frühlingshaft. Gegenüber der Natürlichkeit der jungen Frau, verkörpert die Figur des Mannes eher das Gefühl einer Selbstverständlichkeit. Er kann selbst über seine Zeiteinteilung bestimmen und scheint es nicht nötig zu haben sich über typisch männliche Statussymbole zu definieren. Was ihn jedoch keinesfalls schwach erscheinen lässt, sondern eher auf eine geistige Tiefe und innere Ausgeglichenheit verweist.


Die Werke RAD AM STRAND, FREUDENSPRUNG und HALT MICH NICHT.... zeigen eine weitere Besonderheit von Heidrun Pfeiffers Schaffen. Die teilweise abstrakten Formen und die fließenden Farbverläufe spiegeln direkt die Stimmung des dargestellten Moments und erzeugen eine unmittelbare Resonanz in der Wahrnehmung des Rezipienten. Wir meinen den Lufthauch spüren zu können, der von der Bewegung des Radschlagenden ausgeht. Die Ausgelassenheit der Salto schlagenden Männer überträgt sich auf die sie umgebende Natur. Sie scheint nicht nur den Rahmen für diese Aktivität zu setzen, sondern freudig involviert zu sein und mitzutoben. Und auch der schaukelnde Mann fordert uns auf mitzulachen und dem Ernst des Lebens auch mal mit kindlicher Euphorie zu begegnen.

 

In den meisten Bildern erkennt man die Liebe zur Natur. Mal fast schon etwas unheimlich im Wald von LICHTBLICK (s. Schaufenster Halle) dann entspannend auf dem Rad durch den HERBSTWALD.

In der Natur holt sich Heidrun Pfeiffer Kraft, Inspiration und Kreativität, weil sie da durch nichts abgelenkt wird.

Ein weiteres Lieblingsmotiv der Künstlerin sind ENGEL. Diese Bilderreihe finden sie im letzten Raum hinten links. Heidrun Pfeiffer glaubt daran, dass jeder Mensch einen Schutzengel hat und konzentriert sich bei ihren Darstellungen vor allem auf den Ausdruck und die Plastizität des Antlitzes. Die scheinbare Fragilität dieser göttlichen Geschöpfe rührt dabei keinesfalls von Schwäche, sondern vom tiefen Mitgefühl gegenüber dem Menschen. Denn im Gegensatz zum Menschen glauben und hoffen Engel nicht, sie wissen. Und sie haben die geistige Kraft, die Schwere und Unausweichlichkeit dieser Wahrheit soweit zu erkennen, dass die mögliche Trauer darüber in ihrem erhabenen Geist keinen Platz mehr findet und einer größeren Ordnung oder einer inneren Bestimmung der Dinge weicht. Zwischen den Engelsbildern finden sie einen Spiegel mit dem die Künstlerin sie dazu auffordern möchte, den göttlichen Funken zu entdecken, der in jedem Menschen verborgen liegt und der nicht durch eine äußere Betrachtung der Oberflächlichkeiten, sondern durch den ins Innere gerichteten Blick zum Vorschein kommt.


Damit kommen wir zur letzen Werkbeschreibung dieser Vernissage. Die Bilder FREITAG ABEND (Einladungskarte) oder SMALLTALK behandeln alltägliche Situationen in einer Bar oder bei einer Party im Freien. Auch hier gelingt es Heidrun Pfeiffer die Leichtigkeit und Ausgelassenheit eines solchen Events einzufangen. Die Woche liegt hinter einem, jetzt nur noch abschalten und genießen. Sich was Nettes anziehen und mit Freunden einen gemütlichen Abend verbringen ohne anstrengende, aber dafür anregende Gespräche.

Und das wünsche ich Ihnen heute auch - es ist nämlich Freitag Abend!!  Prost!

Stille 170 x 130
Stille 170 x 130